Fachlich geprüft am 15.10.2026 · Redaktion

So rechnet der Wärmepumpen-Rechner
Eine Wärmepumpe hebt Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf die Temperatur, die deine Heizkörper brauchen. Wie viel Strom sie dafür benötigt, beschreibt die Leistungszahl: Sie ist umso besser, je kleiner der Abstand zwischen Quelle und Vorlauf ist. Physikalisch begrenzt sie der Carnot-Wirkungsgrad, also das Verhältnis der Vorlauftemperatur in Kelvin zur Temperaturdifferenz. Reale Geräte erreichen nur einen Teil davon, den Gütegrad.
Der Rechner verteilt den Heizwärmebedarf nach den monatlichen Gradtagen deines Ortes auf die zwölf Monate. Für jeden Monat bestimmt er die mittlere Außentemperatur an Heiztagen aus den DWD-Daten des letzten Heizjahres und daraus die Vorlauftemperatur nach einer Heizkurve, die bei -12 °C die eingestellte Vorlauftemperatur erreicht und bei milden Tagen bis auf 25 °C sinkt. Warmwasser rechnet er gleichmäßig über das Jahr mit 55 °C.
Die Gütegrade sind so kalibriert, dass am Median-Ort mit 55 °C Vorlauf die Mittelwerte des Fraunhofer-ISE-Feldtests im Bestand herauskommen: 3,1 für Außenluft- und 4,1 für Erdreich-Wärmepumpen. Für Grundwasser rechnen wir mit ganzjährig 10 °C Quelltemperatur.
Der Strompreis entscheidet über die laufenden Kosten der Wärmepumpe. Läuft sie über den Haushaltszähler, zählt dein normaler Arbeitspreis. Trag im Vergleich Haushaltsstrom plus den Strombedarf aus diesem Rechner ein, dann siehst du, was ein Tarifwechsel bringt.
Die Vorlauftemperatur ist der größte Hebel
Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Jahresarbeitszahl um rund zwei bis drei Prozent. Eine Fußbodenheizung mit 35 °C ist deshalb ideal, aber auch viele Häuser mit Heizkörpern kommen mit 50 bis 55 °C aus, wenn einzelne zu kleine Heizkörper getauscht werden und ein hydraulischer Abgleich durchgeführt ist. Ob dein Haus dafür bereit ist, kannst du im nächsten Winter testen: Stell die Vorlauftemperatur deiner jetzigen Heizung auf 55 °C und beobachte, ob alle Räume warm werden.
Die Tabelle „Vorlauftemperatur als Hebel“ zeigt für deinen Ort, was 35, 45, 55 und 65 °C an Strom und Geld bedeuten. Die Spalte zur Anschaffung im Quellenvergleich nutzt unsere belegten Referenzwerte und skaliert sie auf die Heizlast, vor Förderung.
Grenzen der Rechnung
Ein Monatsmodell kennt keine einzelnen Frosttage. An sehr kalten Tagen springt bei Luft-Wärmepumpen häufiger der Heizstab an, und das Abtauen kostet Energie; beides steckt pauschal im kalibrierten Gütegrad. Wie gut deine Anlage tatsächlich läuft, hängt außerdem von Planung, Einstellung und Taktverhalten ab. Messe deshalb nach dem ersten Winter Wärme und Strom und vergleiche die echte Jahresarbeitszahl mit dem Rechner.
Beispielrechnungen
| Beispiel | JAZ | Strom | Stromkosten | Gas zum Vergleich |
|---|---|---|---|---|
| Luft, 55 °C, 140 m² Klasse E, Bremen | 3,10 | 5.571 kWh | 1.790 € | 2.169 € |
| Luft, 35 °C Fußbodenheizung, Klasse C | 3,61 | 2.871 kWh | 923 € | 1.301 € |
| Erdwärme, 45 °C, 160 m², Kassel | 4,45 | 4.698 kWh | 1.510 € | 2.627 € |
| Luft, 60 °C, Altbau Klasse G, München | 2,89 | 9.455 kWh | 3.039 € | 3.429 € |
| Grundwasser, 40 °C, 200 m², Freiburg | 5,08 | 4.476 kWh | 1.439 € | 2.857 € |
Häufige Fragen
Welche Jahresarbeitszahl ist gut?
Im Bestand erreichten Außenluft-Wärmepumpen im Fraunhofer-Feldtest im Mittel 3,1, Erdreich-Wärmepumpen 4,1. Werte über 3,5 bei Luft gelten als sehr gut, unter 2,5 lohnt sich ein genauer Blick auf Vorlauftemperatur und Einstellung.
Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?
Im Standardbeispiel mit 140 m² und Klasse E in Bremen rund 6.108 kWh im Jahr für Heizung und Warmwasser. Das ist der Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl.
Funktioniert eine Wärmepumpe mit Heizkörpern?
Ja, wenn die nötige Vorlauftemperatur nicht zu hoch ist. Mit 55 °C erreicht eine Luft-Wärmepumpe im Modell eine Jahresarbeitszahl um 3. Größere Heizkörper in einzelnen Räumen senken die Vorlauftemperatur oft genug.
Lohnt sich eine Erdwärmepumpe trotz höherer Kosten?
Sie spart im Betrieb, kostet aber wegen der Bohrung deutlich mehr. Im Standardbeispiel liegt die Ersparnis bei einigen Hundert Euro im Jahr; ob sich die Mehrkosten nach Förderung rechnen, zeigt der Heizkostenvergleich über 20 Jahre.
Brauche ich einen eigenen Wärmepumpentarif?
Nicht zwingend. Ein separater Zähler mit Wärmepumpentarif ist günstiger je Kilowattstunde, kostet aber Grundgebühr und Zählerplatz. Seit 2024 erhalten steuerbare Wärmepumpen nach § 14a EnWG zudem ermäßigte Netzentgelte.
Keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung
Alle Ergebnisse sind Beispielrechnungen mit den Werten und Annahmen auf dieser Seite. Klimadaten stammen vom Deutschen Wetterdienst (Gradtage nach VDI 3807), Energiepreise aus Eurostat, dem EU Weekly Oil Bulletin und den genannten Verbänden, Fördersätze aus den Konditionen der KfW mit Gültigkeitszeitraum. Sie ersetzen keine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, keine Energieberatung und kein Angebot eines Fachbetriebs, der Gebäude, Heizkörper und Hausanschluss vor Ort prüft.
Quellen und Stand
Fachlich geprüft am 15.10.2026 · Redaktion
- Fraunhofer ISE, Feldtest WPsmart im Bestand: JAZ Außenluft 3,1, Erdreich 4,1 (Bericht via energiezukunft.eu, 07.08.2020)
- Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center: Monatliche Gradtage nach VDI 3807 (CC BY 4.0)
- Erdgas: Eurostat nrg_pc_202, Haushalte, Verbrauchsband D2 (20 bis 199 GJ), alle Steuern und Abgaben
- Haushaltsstrom: Eurostat nrg_pc_204, Haushalte, Band DC (2.500 bis 4.999 kWh), alle Steuern und Abgaben
- Heizöl EL: Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin, Verbraucherpreise mit Steuern, Deutschland, Heizöl (Heating gas oil)
- Holzpellets: Deutsches Pelletinstitut (DEPI), Durchschnittspreis Deutschland September 2026, Abnahme 6 t, Lieferung im Umkreis von 50 km, inklusive Nebenkosten und Mehrwertsteuer (9,1 ct/kWh)
- Fernwärme: co2online, Auswertung von mehr als 700 Wärmenetzen auf Basis der AGFW-Preistransparenzplattform (07.10.2026): Einfamilienhaus 15 ct/kWh in überwiegend erneuerbaren und 17 ct/kWh in überwiegend fossilen Netzen; angesetzt ist der Mittelwert 16 ct/kWh
- Stiftung Warentest: Einbau von Wärmepumpen, Auswertung von 160 Angeboten durch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (25.06.2025)
- Sanierungssteckbrief Typ Einfamilienhaus, kommunale Wärmeplanung Bad Dürkheim (150 m², 10 kW Heizlast, Kostenstand 04/2024, brutto)
- Annahme der Redaktion zwischen Erdkollektor (51.000 €) und Erdsonde (59.000 €) laut Sanierungssteckbrief Bad Dürkheim; Brunnenanlage und wasserrechtliche Erlaubnis entscheiden
- Annahme der Redaktion: Übergabestation 5.000 bis 10.000 € laut co2online plus Hausanschluss; viele Versorger verlangen zusätzlich einen Baukostenzuschuss
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