Gasheizung oder Wärmepumpe: der ehrliche Kostenvergleich

Fachlich geprüft am 15.10.2026 · Redaktion
Für viele Hausbesitzer läuft die Entscheidung auf zwei Optionen hinaus: wieder eine Gasheizung oder eine Wärmepumpe. Seit das Gebäudemodernisierungsgesetz die 65-Prozent-Pflicht gestrichen hat, ist beides erlaubt. Umso wichtiger ist ein ehrlicher Vergleich, der nicht bei der Anschaffung stehen bleibt. Wir haben beide Heizungen für dasselbe Beispielhaus durchgerechnet, mit Anschaffung, KfW-Zuschuss, Energiepreisen vom Oktober 2026, dem CO₂-Preis nach BEHG und drei Szenarien für den europäischen Emissionshandel ab 2028. Dieser Ratgeber zeigt das Ergebnis, die wichtigsten Stellschrauben und die Fälle, in denen die Gasheizung vorn liegt.
Die Ausgangslage im Beispielhaus
Unser Beispielhaus hat 140 m² Wohnfläche und die Effizienzklasse E. Im Klima von Bremen, das genau dem Median unserer 700 Städte entspricht, braucht es rund 17.260 kWh Wärme im Jahr einschließlich Warmwasser. Die Heizlast liegt bei 6,4 kW. Der Eigentümer bewohnt das Haus selbst und ersetzt eine über 20 Jahre alte Gasheizung, die Heizkörper brauchen bei Frost 55 °C Vorlauf.
Für die neue Gasheizung setzen wir den Referenzwert von 11.000 € aus dem Sanierungssteckbrief Bad Dürkheim an, skaliert auf die Heizlast rund 9.400 €. Für die Luft-Wärmepumpe den Durchschnitt von 36.000 € aus 160 Angeboten, skaliert 30.800 €.
Anschaffung nach Förderung
Die Gasheizung wird nicht gefördert. Die Wärmepumpe erhält 30 Prozent Grundförderung und 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus, zusammen 46 Prozent von maximal 28.000 € förderfähigen Kosten, also 12.880 €. Damit kostet sie nach Zuschuss rund 17.960 €, die Gasheizung 9.400 €. Der Unterschied in der Anschaffung beträgt also gut 8.500 €.
Hat der Haushalt ein zu versteuerndes Einkommen bis 40.000 €, kommen 30 Prozent Einkommensbonus hinzu, der Zuschuss steigt auf 70 Prozent von 28.000 €, also 19.600 €. Dann schrumpft der Abstand in der Anschaffung auf rund 1.800 €.
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Laufende Kosten im ersten Jahr
Die Gasheizung braucht mit 92 Prozent Nutzungsgrad rund 18.760 kWh Gas. Bei 11,56 Cent je Kilowattstunde laut Eurostat sind das 2.170 €, darin 263 € CO₂-Preis. Mit Wartung und Schornsteinfeger kostet sie 2.420 € im ersten Jahr.
Die Wärmepumpe erreicht im Modell mit den Gradtagen von Bremen eine Jahresarbeitszahl von 3,1 und braucht rund 5.570 kWh Strom. Bei 32,1 Cent je Kilowattstunde kostet das 1.790 €, mit Wartung 1.940 €. Sie spart also im ersten Jahr rund 480 €.
Der CO₂-Preis über 20 Jahre
Entscheidend ist, wie sich die Preise entwickeln. Für Gas steigt der CO₂-Anteil mit dem Preispfad: 65 € je Tonne bis 2027, danach im mittleren Szenario 90 € ab 2028 und 6 € mehr in jedem weiteren Jahr. Im Jahr 2045 wären das 192 € je Tonne, und der CO₂-Anteil am Gaspreis läge bei rund 4,1 Cent je Kilowattstunde. Zusätzlich rechnen wir für alle Energieträger mit 2 Prozent allgemeinem Preisanstieg pro Jahr.
Über 20 Jahre kommt die Gasheizung damit auf rund 71.500 €, die Wärmepumpe auf 64.500 €. Die höhere Anschaffung ist nach 13 Jahren eingespielt. Im niedrigen CO₂-Szenario dauert es länger, im hohen geht es schneller. Hinzu kommt die Bio-Treppe: Neue Gasheizungen müssen ab 2029 einen steigenden Anteil Biogas oder klimaneutraler Gase nutzen, dessen Kosten im Vergleich noch nicht enthalten sind.
Die wichtigste Stellschraube: die Vorlauftemperatur
Kein Faktor verändert das Ergebnis so stark wie die Vorlauftemperatur. Mit Fußbodenheizung und 35 °C steigt die Jahresarbeitszahl im Modell auf 3,77, die Stromkosten sinken, und die Wärmepumpe ist schon nach neun Jahren günstiger als die Gasheizung. Bei 65 °C sinkt die Jahresarbeitszahl auf unter 3, und der Vorteil schrumpft.
Deshalb lohnt sich vor der Entscheidung der Test: Stell die Vorlauftemperatur deiner jetzigen Heizung im Winter auf 55 °C und beobachte, ob alle Räume warm werden. Wenn nicht, helfen oft größere Heizkörper in einzelnen Räumen und ein hydraulischer Abgleich.
Szenarien: Was wäre, wenn
Weil niemand die Preise der nächsten 20 Jahre kennt, lohnt ein Blick auf Varianten. Im niedrigen CO₂-Szenario mit 60 € je Tonne ab 2028 und 2 € mehr pro Jahr kostet die Gasheizung über 20 Jahre rund 66.900 €, die Wärmepumpe 64.500 €; der Ausgleich dauert 17 Jahre. Im hohen Szenario mit 150 € ab 2028 und 10 € mehr pro Jahr kostet die Gasheizung 78.400 €, und die Wärmepumpe ist nach zehn Jahren günstiger.
Die Strom- und Gaspreise wirken ähnlich stark. Fällt der Gaspreis auf 10 Cent je Kilowattstunde, holt die Wärmepumpe die Gasheizung in 20 Jahren nicht ein. Sinkt der Strompreis durch einen Wärmepumpentarif und ermäßigte Netzentgelte auf 26 Cent, ist sie nach neun Jahren günstiger.
Der Einfluss der Förderung
Die Förderung verschiebt den Vergleich deutlich. Ein Vermieter erhält nur 30 Prozent Grundförderung; für ihn dauert es im Beispiel 18 Jahre, bis die Wärmepumpe günstiger ist als eine neue Gasheizung. Ein Selbstnutzer mit einem zu versteuernden Einkommen bis 40.000 € erhält dagegen 70 Prozent, und die Wärmepumpe ist schon nach vier Jahren günstiger.
Wichtig ist auch der Zeitpunkt. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab Februar 2027 halbjährlich um vier Prozentpunkte. Bei 28.000 € förderfähigen Kosten macht jeder Schritt 1.120 € aus, und die Kostengrenze sinkt zusätzlich um 750 € je Halbjahr.
Was beide Heizungen im Alltag unterscheidet
Neben den Kosten gibt es praktische Unterschiede. Eine Gasheizung braucht einen Gasanschluss, einen Schornstein oder eine Abgasleitung und regelmäßige Messungen des Schornsteinfegers. Eine Wärmepumpe braucht einen Platz für das Außengerät, einen ausreichenden Stromanschluss und eine gut eingestellte Regelung. Im Sommer kann eine Wärmepumpe kühlen, eine Gasheizung nicht.
Auch die Abhängigkeiten sind verschieden. Die Gasheizung hängt am Gasnetz und an der Entwicklung des CO₂-Preises, ab 2029 zusätzlich an der Bio-Treppe. Die Wärmepumpe hängt am Strompreis, profitiert aber von einer eigenen Photovoltaikanlage und von ermäßigten Netzentgelten.
Was die Bio-Treppe ändern könnte
Eine neue Gasheizung, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut wird, muss ab 2029 einen steigenden Anteil biogener Brennstoffe nutzen. Wie teuer das wird, ist offen. Nimmt man beispielhaft einen Aufpreis von 5 Cent je Kilowattstunde für Biomethan an, kostet ein Anteil von 10 Prozent im Beispielhaus rund 94 € im Jahr, ein Anteil von 30 Prozent ab 2035 rund 281 €.
In unserem Vergleich sind diese Kosten noch nicht enthalten. Die Gasheizung schneidet deshalb eher zu günstig ab.
Wann die Gasheizung vorn liegt
Es gibt Fälle, in denen die Gasheizung über 20 Jahre günstiger bleibt: wenn das Haus sehr hohe Vorlauftemperaturen braucht und eine Sanierung nicht geplant ist, wenn der Strompreis deutlich höher liegt als der Durchschnitt, oder wenn keine Förderung infrage kommt, etwa bei teuren Anlagen weit über der Fördergrenze. Auch in sehr gut gedämmten Häusern mit wenig Wärmebedarf wird der Unterschied kleiner, weil weniger Energie gespart werden kann.
Wer unsicher ist, kann einen Zwischenweg wählen: eine Hybridheizung, bei der eine Wärmepumpe die vorhandene Gasheizung ergänzt und den größten Teil der Wärme liefert. Im Beispiel ist das die günstigste Lösung über 20 Jahre, weil der vorhandene Kessel weiter genutzt wird.
Selbst rechnen
Mit dem Heizkostenvergleich rechnest du deinen Fall mit offen gelegten Annahmen nach. Alle Werkzeuge findest du in der Rechner-Übersicht, Heizkosten und Gradtage für 700 Städte unter Heizkosten nach Stadt und aktuelle Preise unter Energiepreise.
Häufige Fragen
Ist eine Wärmepumpe günstiger als eine Gasheizung?
In der Anschaffung nicht, im Betrieb meist schon. Im Beispielhaus ist sie über 20 Jahre rund 7.000 € günstiger, die Mehrkosten sind nach 13 Jahren eingespielt.
Darf ich noch eine Gasheizung einbauen?
Ja. Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat die 65-Prozent-Pflicht gestrichen. Neue Gasheizungen müssen ab 2029 aber einen steigenden Anteil Biogas oder klimaneutraler Gase nutzen.
Was passiert, wenn der Strompreis steigt?
Dann wird die Wärmepumpe teurer im Betrieb. Steigen Gas- und CO₂-Preis gleichzeitig, bleibt ihr Vorteil meist erhalten. Der Heizkostenvergleich zeigt das mit deinen Preisen.
Wie viel spart eine Wärmepumpe im Jahr?
Im Beispielhaus rund 480 € im ersten Jahr gegenüber einer neuen Gasheizung, mit Fußbodenheizung rund 800 €.
Was ist mit einer wasserstofffähigen Gasheizung?
Sie darf eingebaut werden, gefördert werden nur die Mehrkosten für die Wasserstofffähigkeit. Ob und wann Wasserstoff im Gasnetz verfügbar ist, ist offen.
Lohnt sich die Wärmepumpe auch für Vermieter?
Mit nur 30 Prozent Förderung dauert der Ausgleich im Beispiel 18 Jahre. Vermieter tragen aber einen wachsenden Teil der CO₂-Kosten einer Gasheizung, das verschiebt die Rechnung.
Beispielrechnung mit offen gelegten Annahmen, keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Auslegung und Angebot übernimmt ein Fachbetrieb.
Redaktion
Recherchiert von der Redaktion Heizung-Kosten.de, zuletzt geprüft am 15.10.2026. Zahlen belegen wir mit Quelle und Stand, Beispiele rechnen wir mit denselben Formeln wie die Rechner. Keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.